Schnittdaten berechnen
Berechne Drehzahl und Vorschubgeschwindigkeit aus Schnittgeschwindigkeit, Durchmesser und Vorschubwert für Bohren, Drehen oder Fräsen.
Der Rechner wandelt eine eingegebene Schnittgeschwindigkeit vc in Drehzahl n um und berechnet daraus die Vorschubgeschwindigkeit vf. Er deckt Bohren, Drehen und Fräsen als Kinematikrechnung ab: Die Formeln sind fest, die passenden Schnittwerte sind es nicht. Die FAQ Warum ist die Schnittgeschwindigkeit vc kein fester Tabellenwert? erklärt diese Grenze bewusst prominent, weil ein automatisch hinterlegter Punktwert hier irreführend wäre.
vc ist deshalb eine Eingabe, kein automatisch gesetzter Tabellenwert. Der Referenzdatenbericht zeigt für HSS-Bohren eine Spannweite von etwa Faktor 28 über das Materialfeld: Federstahl liegt bei 5 bis 8 m/min, Aluminiumlegierungen bei 80 bis 140 m/min. Innerhalb einzelner Werkstoffgruppen streuen die Angaben ebenfalls, und Werkzeugzustand, Schneidstoff, Kühlung, Aufspannung und Werkstoffzustand können mehr ausmachen als der Werkstoffname.
Der Rechner ist damit eine Rechenhilfe für bereits gewählte Schnittwerte. Er ist keine Werkzeugempfehlung und kein Ersatz für Herstellerdatenblatt, Tabellenbuch, Werkstattvorgabe oder Einfahrversuch. Die Begriffe Schnittgeschwindigkeit und Vorschub je Zahn sind im Glossar separat erklärt.
Eingaben
Das Verfahren steuert, welche Vorschubgröße verwendet wird. Beim Bohren und Drehen wird mit Vorschub je Umdrehung f gerechnet. Beim Fräsen wird mit Zähnezahl z und Vorschub je Zahn fz gerechnet.
Der Durchmesser ist beim Bohren und Fräsen der Werkzeugdurchmesser. Beim Drehen ist er der Werkstückdurchmesser an der bearbeiteten Stelle. Kleine Durchmesser führen bei gleicher Schnittgeschwindigkeit zu hohen Drehzahlen; das ist fachlich erwartbar und wird nicht automatisch gekappt.
Die Schnittgeschwindigkeit vc wird in m/min eingegeben. Sie sollte aus einem Werkzeugdatenblatt, einer Werkstattvorgabe oder einer bewusst gewählten Spanne stammen. DIN 6580 und DIN 6584 beschreiben Begriffe der Zerspanung, ISO 513 klassifiziert Schneidstoffe; konkrete vc-Werte legt keine dieser Normen fest.
Ergebnis richtig lesen
Das Hauptergebnis ist die Drehzahl n in 1/min. Dazu kommt die Vorschubgeschwindigkeit vf in mm/min. Der Rechner zeigt außerdem die verwendete Schnittgeschwindigkeit und den eingesetzten Zahn- oder Umdrehungsvorschub an, damit die Rechnung nachvollziehbar bleibt.
Die belegte Rechenprobe für Bohren mit 8 mm Durchmesser, vc = 25 m/min und f = 0,10 mm/U lautet:
n = 25 x 1000 / (pi x 8) = 994,7 1/min
vf = 994,7 x 0,10 = 99,5 mm/min
Die Anzeige rundet die Drehzahl auf 995 1/min. Wenn dieselbe Drehzahl ohne Vorschub gefahren werden soll, kann f = 0 eingetragen werden; dann bleibt die Drehzahlberechnung gültig und vf wird 0 mm/min.
Beim Fräsen kommt die Zähnezahl hinzu. Ein Fräser mit 10 mm Durchmesser, vc = 120 m/min, vier Zähnen und fz = 0,04 mm/Zahn ergibt:
n = 120 x 1000 / (pi x 10) = 3819,7 1/min
vf = 3819,7 x 4 x 0,04 = 611,2 mm/min
Für den Fräszweig sind im Referenzdatenbericht keine belastbaren fz-Spannen hinterlegt. Der Wert muss deshalb aus dem Werkzeugdatenblatt kommen.
Rechenweg
Die Drehzahl folgt aus Schnittgeschwindigkeit und Durchmesser:
n = vc x 1000 / (pi x d)
Der Faktor 1000 wandelt Meter pro Minute in Millimeter pro Minute um, weil der Durchmesser in Millimeter eingegeben wird.
Bei Bohren und Drehen berechnet sich der Vorschub aus Drehzahl und Vorschub je Umdrehung:
vf = n x f
Beim Fräsen greift jeder Zahn einmal pro Umdrehung. Deshalb wird der Vorschub je Zahn mit der Zähnezahl multipliziert:
vf = n x z x fz
Diese Formeln sind die stabile Seite des Rechners. Unsicher ist nicht die Umrechnung von vc nach n, sondern die Wahl der richtigen Eingabewerte. Ein für weichen C45 passender Wert kann bei vergütetem C45 zu hoch sein; der Quellenabgleich nennt für solche Zustandsunterschiede Abweichungen von 40 bis 50 Prozent.
Grenzen der Rechnung
Der Rechner berücksichtigt keine Maschinenleistung, keine Mindest- oder Maximaldrehzahl, keine Werkzeugauskragung, keinen Rundlauf, keine Kühlung, keine Spanabfuhr und keine Stabilität der Aufspannung. Er prüft auch nicht, ob ein Werkzeug für den Werkstoff geeignet ist.
Für HSS-Bohren in Stahl wäre ein sehr hoher vc-Wert auffällig; der Rechner sieht dafür einen Warnhinweis vor. Beim Fräsen weist sie darauf hin, dass fz aus dem Werkzeugdatenblatt eingetragen werden muss.
Ein Material-Select ist im MVP bewusst nicht vorgesehen. Die belegten Daten reichen nicht für eine saubere Liste mit Punktwerten, und eine solche Liste würde genau die Scheingenauigkeit erzeugen, die der Rechner vermeiden soll. Die FAQ zur Schnittgeschwindigkeit als nicht festem Tabellenwert erklärt diese Grenze als eigenen Erwartungscheck.
Quellen
Stand: 27.08.2026, DACH. Die Begriffe und Formelgrößen folgen DIN 6580 und DIN 6584 (Begriffe der Zerspantechnik) sowie ISO 513 (Einteilung der Schneidstoffe). Diese Normen legen keine vc-Werte fest und wurden nicht im Volltext eingesehen.
Daraus folgen zwei bewusste, dauerhafte Grenzen: Der Rechner bietet kein Werkstoff-Auswahlfeld mit Punktwerten für vc, und für Messing (HSS) sowie für Fräs-fz-Spannen nennt er keine Zahlen. Verbindlich sind die Schnittwertempfehlungen deines Werkzeugherstellers.
Quellen
DIN 6580 und DIN 6584 — Begriffe der Zerspantechnik
Drehzahl-Vorschubtabelle für Spiralbohrer HSS-E und HSCo (Dokument 06997)
Vorbelegungen und Warnschwelle
Häufige Fragen
Warum ist die Schnittgeschwindigkeit vc kein fester Tabellenwert?
Die Schnittgeschwindigkeit vc ist kein fester Tabellenwert, weil sie vom Werkstoffzustand, Schneidstoff, Werkzeug, Kühlung und der Aufspannung abhängt. Ein einzelner hinterlegter Punktwert würde genauer wirken, als die Datenlage erlaubt.
Der Referenzdatenbericht zeigt die Größenordnung: Für HSS-Bohren liegen die belegten Richtwerte bei Federstahl 67SiCr5 bei 5 bis 8 m/min, bei Aluminiumlegierungen bei 80 bis 140 m/min. Über dieses Materialfeld liegt zwischen niedrigem und hohem Ende ungefähr Faktor 28. Innerhalb eines Werkstoffnamens kann der Zustand ebenfalls viel ausmachen; weicher und vergüteter C45 sind für die Zerspanung nicht dasselbe.
Deshalb behandelt der Schnittdatenrechner vc als Eingabe. Er rechnet daraus sauber Drehzahl und Vorschubgeschwindigkeit, ersetzt aber keine Werkzeugempfehlung. Der passende Wert kommt aus Werkzeugdatenblatt, Tabellenbuch, Werkstattvorgabe oder einem vorsichtigen Einfahrversuch.
Das wertet andere Rechner oder Tabellen nicht ab. Viele Tabellen sind als Startpunkt nützlich, solange klar bleibt, dass es Richtwerte sind. MetallTools legt den Schwerpunkt hier auf die nachvollziehbare Umrechnung und markiert die Grenze bewusst sichtbar.
Quellen
Stand: 21.08.2026, DACH. Die Begriffe folgen DIN 6580/DIN 6584; Schnittwerte legt keine dieser Normen fest, und sie wurden nicht im Volltext eingesehen. Die genannten HSS-Bohrspannen und der Faktor 28 sind Praxis- und Herstellerwerte zur Einordnung, keine Normwerte. Verbindlich sind die Empfehlungen deines Werkzeugherstellers.
Wie hängen Drehzahl, vc und Werkzeugdurchmesser zusammen?
Drehzahl, Schnittgeschwindigkeit und Werkzeugdurchmesser hängen über die Formel n = vc x 1000 / (pi x d) zusammen. Bei gleicher Schnittgeschwindigkeit braucht ein größerer Durchmesser also eine niedrigere Drehzahl.
Der Faktor 1000 steht in der Formel, weil vc in m/min eingegeben wird, der Durchmesser d aber in Millimeter. Für einen Bohrer mit 8 mm Durchmesser und vc = 25 m/min ergibt sich:
n = 25 x 1000 / (pi x 8) = 994,7 1/min
Ein 16-mm-Werkzeug läuft bei derselben Schnittgeschwindigkeit nur halb so schnell. Die Umfangsstrecke pro Umdrehung ist größer, deshalb braucht es weniger Umdrehungen pro Minute, um dieselbe Geschwindigkeit an der Schneide zu erreichen.
Aus der Drehzahl entsteht erst mit Vorschub eine Vorschubgeschwindigkeit. Beim Bohren und Drehen gilt vf = n x f; beim Fräsen gilt vf = n x z x fz, also mit Zähnezahl und Vorschub je Zahn. Der Schnittdatenrechner trennt diese Fälle, damit Drehzahl und Vorschub nicht verwechselt werden.
Quellen
Stand: 21.08.2026, DACH. Die Beziehung n = vc · 1000 / (π · d) ist die geometrische Definition der Schnittgeschwindigkeit nach DIN 6580; der Normtext wurde nicht im Volltext eingesehen. Die Beispielrechnung ist für diese Seite nachgerechnet.